
Rastaff kam ganz zu Beginn zu uns . Er war in einem Tierheim in Frankreich gelandet und gerade mal 3 Jahre alt . In Frankreich ist die Euthanasie nach 14 Tagen erlaubt und wenn man beisst auch sofort. Rastaff hatte seine beiden Gassigeherinnen in Zwinger angegriffen und schwer gebissen . Zu seiner Vorgeschichte konnte uns niemand etwas sagen, aber es ist so, das Rastaff manche Menschen als Bedrohung einschätzt. Vorrangig Männer, aber eben nicht nur. Das tückische , er zeigt es nicht an , er bewegt sich normal und wird zum Teil eine ganze Weile nichts auffälliges zeigen bis er eine Gelegenheit zur Attacke sieht. Dann kann ein Stolpern, ein Bücken um die heruntergefallene Leine aufzuheben oder ein unachtsames Rücken zuwenden in einer dynamischen Situation zum Auslöser werden. Und dann ist das Ziel klar: Eliminieren. Da bedarf es keiner Kommunikation.
Ein Verhalten was man so nicht alle Tage sieht und was sicherlich sehr gefährlich wird wenn man Rastaff an Menschen weiter geben würde , die sowas noch nie gesehen haben . Die in seinem Verhalten keine Gefahr sehen weil es nahezu unsichtbar ist. Er wirde nicht abgerichtete so zu sein, denn er würde niemals auf Kommando auch nur irgendwas tun. Rastaff orientiert sich am Verhalten . Zeigt seine Bezugsperson Furcht , wird er schützen . Fragt man ihn was hier grade sein Auftrag ist , überlasst er einem das Management. So simpel kann es sein und wenn man schon knapp 8 Jahre mit ihm Vorfallsfrei zusammenlebt so wie ich, ist man relativ safe.
Rastaff war Jahre lang mit mir auf Seminaren unterwegs und hat mich auf riskanten Fahrten als Schutzhund begleitet. Er ist nun schon etwas in die Jahre gekommen , in Rente und bei mir eingezogen . Ein ruhiger , wirklich starker Hund, der sicherlich für viele zu den Unberechenbaren zählt und so chancenlos wie er in Frankreich war sicherlich auch hier gewesen wäre .
Aber als ich damals entschied ihn zu übernehmen war es eben mit dem Versprechen dass er hier eine Zukunft bekommt . Und die Chance hat er genutzt ein krasser Begleiter und geduldiger Lehrer für Hunde, mit festgestellter Unverträglichkeit gegenüber Artgenossen.Standhaft und stets fair, ging er nie zu einer Attacke über, sondern wartete geduldig, bis ich den um ihn herum eskalierenden Patienten abflückte . Eine Souveränität die kaum noch Hunde haben. Er gehört zur zweiten Generation Hellhounds und ich bin froh, dass er zu uns gefunden hat.
