Hector

Rasse Mischling
Geburtsdatum 01.09.2011

Hector, braun weiß gefleckt und sicherlich ein mega süßer Welpe kam von einem befreundeten Tierheim als zwar niedlicher, aber etwas fettgefütterter, in seiner Sehkraft eingeschränkter Wüstling zu uns. Sein Trick: Wenn ihm was nicht passte, sprang er an den Leuten hoch und biss zum Teil sogar zu. Eine ausgeprägte Futteraggression gesellte sich ebenfalls dazu und anfassen oder schmusen war eher weniger sein Ansinnen. Hector war ein reiner Männerhund und Frauen gehörten für ihn hinter die Futtertheke an den Napf, darauß machte er kein Geheimnis- schmiss er sich doch original jedem Typen ans Bein der die Foundation betrat.
Ja was stellt ihr euch da so an, einfach nen alleinstehenden Typen finden und die Vermittlung ist perfekt. Ja Pah Pustekuchen! Hector mag zwar dem männlichen Geschlecht eher zugetan sein, wenn es um seine Prinzipien ging war es aber letztlich egal wer vor ihm stand. Und so war sein letzter Halter vor dem Tierheim tatsächlich ein Mann der ihn aufgab, weil es zu gefährlich wurde und Hector das Aufziehen des Maulkorbs mal mehr und mal weniger gut mit machte. So kam der fast blinde Rüde ins Tierheim zurück aus dem seine Reise einst startete und wurde dort zunehmend zum Problem, denn Hector erblindete sukzessive, war dadurch schwer verunsichert und durch den Lärm im Heim oft nicht in der Lage, Personen die sich annäherten richtig zu orten. Und so kam es leider vermehrt zu Problemen wo er an Menschen hochsprang, diese bedrohte oder einfach unleidlich wie er war in allen anderen Belangen wie Anleinen, Halsband oder Maulkorb anlegen, füttern etc. gar nicht mehr kooperativ. Als wir Hector übernahmen zeigte er sich zu Beginn eher verunsichert aber freundlich. Er fand sich gut in der Hundegruppe zurecht und ging auch gerne mit uns Gassi. Auch in einer Situation wo einer unsrer Ehrenamtler ihn nicht wirklich als unseren Hund zuordnen konnte und mit einem runtergebeugten: „Oh ist der süß!“, einfach seinen Kopf tätschelte- während der Rest von uns einfach erstarrte, behielt er die Contenance.
Hector brauchte also wohl eine längere Eingewöhnungsphase und baute erst Bezug zu Menschen auf, ehe er entschied wie er mit ihnen umgehen würde, doch dann kam er in all seiner wuchtigen Blüte, scharf und gerichtet in Richtung Kopf geflogen. Er ist eine olfaktorisch sehr fein eingestellte Wunderwaffe gegen Menschen die glauben, dass Hunde mit Behinderungen kein lebenswertes Leben haben. Da wo seine Nase hin peilt wird er sich bei entsprechender Körperhaltung und Ausdruck auch hin katapultieren. Das dies im Laufe der Zeit auch bei uns der Fall sein würde ahnten wir bereits, nur wann war die Frage und so begab es sich an einem Abend, dass ich hector eine zweite Mahlzeit an seinen Schlafplatz stellen wollte. Er hatte das Sonar schon angeschmissen und peilte, entschied sich aber dann wohl, dass ich zu lange brauchte, um sein Futter hinzustellen und beschloss mir zu helfen, indem er mich ins Handgelenk packte. Ich schrie, die Schüssel fiel, Hector mampfte und pöbelte mich mit vollem Mund weg. Das Wörtchen „sauer“, bekam hier einen völlig neues Layout, zumindest in meinem Empfinden, da ich es grade noch geschafft hatte nach der Realisierung grade wegen nichts gebissen worden zu sein, aus dem Zimmer zu fliehen indem nun der neue Chef der Hellhound Foundation in Ruhe dinieren wollte. Challenge accepted. Hector hatte grade aufgegessen und sammelte die letzten Krümel vom Boden als ich mit Maulkorb in der Hand das Zimmer betrat. Er konnte ihn zwar nicht sehen, roch ihn aber und roch auch mich. Gestresst, voller Adrenalin- denn das hat man wenn man gebissen wird all inclusive du stink sauer.“Hier her!“, pöbelte ich ihn an und er drehte auf dem Absatz rum und wollte sich in eine der Boxen zum schlafen verziehen.“Nix da !“, griff ich ihm von hinten in den Pelz und warf ihm eine Leine über den Kopf. Ab da brach die Hölle los, der Hund Odins tänzelte wild keifend im mich herum und schnappte wie wild in meine Richtung. Nun waren wir wohl beide stink sauer und bei so viel Gestank im Raum war es wohl nicht so wirklich möglich präzise zu orten, wo ich denn jetzt eigentlich stand. Ich hielt ihn schlussendlich auch über die Leine auf Abstand und nach 20 Minuten gelang mir dann auch eine Sicherung mit Maulkorb. Damals einem Baskerville mit Plastikschnalle. Ich nahm Hector mit rein, da ich nicht wollte, dass er nach derartigem Konflikt sich selbst überlassen würde, zumal er ja vorneweg auch etwas gefressen hatte und ich keine unerkannte Magendrehung riskieren wollte (was ehrlich gesagt so aber auch noch nie vorgekommen ist).
Gesagt, getan. Hector und ich richteten uns die Nacht über im Wohnzimmer ein, da ich den dicken miesgelaunten Rüden meinem damaligen Partner nicht im Bett zumuten wollte, hatte Hector ihn ja bereits eine Jacke gekostet und Hotpants verpasst als er mir in einem Konflikt in der Gruppe zur Hilfe eilen wollte. Hector schlief sofort laut schnarchend ein, erwachte aber gegen 2 Uhr nachts und wusste dann natürlich nicht wo er war. Er hatte sich zudem beim schlafen, wie immer, die Augen gerieben und war dabei mit der Daumenkralle im Maulkorb hängen geblieben was dazu führte, dass er sich erschreckte am Maulkorb riss und ein unschönes „Klack,peng!“, mir verriet, dass soeben die Plastikschnalle die den Maulkorb auf Hectors Fang und Kopf sichern sollte den Geist aufgegeben hatte. Ein Stück Plastik entscheidet also heute, dass ich sterbe… „spannend!“, murmelte ich, während ich mit einem uneleganten Satz auf die Rücklehne des Sofas sprang, über die Fensterbank lief und mit einem weiteren Satz und ordentlich Schlagseite über Hectors Rücken hinweg auf einen Fußhocker, auf den Boden und aus dem Wohnzimmer raussprang. Dieser Drahtseilakt war nötig, da Hector orientierungslos und empört, dass jemand gleichzeitig seinen Vorderlauf und sein Gesicht festhielt nachdem er sich aus dem Maulkorb befreit hatte im Wohnzimmer schier Amok lief. Deko hin, „Fernseher ade!“,nochmal schnell das Bein am Esszimmer gehoben und ein Kissen zerfetzt, ehe er realisierte, dass ich nicht mehr da war. 2.05 Uhr morgens in Bispingen saß ich nun also sabbernd von der Anspannung und schlaftrunken vor meiner eigenen Wohnzimmertür in der ein Orkan tobte. „Wird Hundetrainer haben Sie gesagt!“, nagut, neuer Maulkorb her, Leinenlasso, durchatmen und „Oh Hector!“, flirtete ich durch den Türspalt. Er hob die Ohren und das Sono und kam Richtung Tür. Leinenlasso übern Kopf, kurz halten und warten dass er sich beruhigt, Leine in der Tür einklemmen und mit Maulkorb und Barfuß einmal im Winter ums ganze Haus Rum und zum Wohnzimmerfenster wieder rein. Kalt. Hector linkt am Hintern getippt, rechts positioniert und den Maulkorb wieder drauf. Wut und Verderben abwarten und laufen lassen. Diesmal einen Maulkorb mit Metallschnalle. Die restliche Nacht, räumte ich das Wohnzimmer auf und Hector schlief friedlich auf dem Sofa. Der nächste richtig gute Entertainment Punkt in Hectors und meinem Leben war, als sein Augendruck gemessen werden musste und wir von unserem Tierarzt in eine Spezialklinik überwiesen wurden. Es schien ein bisschen so, als seien Hunde mit Augenproblemen auch immer nett, da die Klinik erst versuchte, entgegen meiner Aussage dass dies nicht ginge, ihn am Kopf zu halten und den Augendruck so zu messen, ich hab ihn gut festgehalten um eine gebrochene Nase beim behandelnden Arzt zu vermeiden. Als er dann nach reichlich Krieg in Narkose lag bat ich eindringlichst darum den Maulkorb nach der Prozedur und in der Aufwachphase wieder aufzuziehen und fuhr zurück in die Foundation. Als ich gegen Abend wieder in die Klinik kam wedelte mit Hector ohne Maulkorb und Halsband aus der Aufwachbox entgegen. Gut, vielleicht hab ich mir wirklich keine große Mühe gegeben auf die Praxiseinrichtung zu achten, während Hector und ich streitend durch die Gegend flogen, aber es waren am Ende ja trotzdem alle irgendwie froh, dass der Maulkorb dann drauf war. Manchmal gehen mir Leute auf die Nerven, die 20 Jahre Berufserfahrung haben und sowas ja noch nie erlebt haben. Das hätte man einfacher haben können aber gut. Die Befunde waren eindeutig, Hectors Netzhaut vernarbte durch einen Gendefekt zunehmend, eine OP könne zwar gemacht werden, die Problematik würde sich aber immer wieder einstellen und die Netzhaut so oder so nicht mehr zu retten. Wir würden lediglich das Erblinden eine gewisse Zeit verzögern. Und wo der normale Tierschützer mit einem netten Hund 2-mal täglich Augentropfen als völlig okay betrachtet müssen wir hier in die Logistik gehen. Ein halb blinder mit Halskragen geschmückter Hector, der zweimal täglich unter extremster Abwehr Augentropfen verpasst bekommt. Risikowert 1 : Beim Maulkorbaufziehen könnten durch Riemen und Nasenpolster Druckstellen am Tränenkanal nach der OP, also wenn dieser noch geschwollen ist, entstehen oder Keime könnten ins Auge gelangen. Risikowert 2: Dur den täglichen Kampf um Maulkorb und Augentropfen wird A) der Blutdruck steigen, sodass es zu Einblutungen an der frisch operierten Netzhaut kommen könnte B) Wenn’s ungünstig läuft stecken die Augentropfen samt Ampulle im Auge. Ihn ständig zu sedieren würde seinen Körper wohl stark belasten, also entschieden wir uns Hector in die ohnehin unaufhaltsame Erblindung zu begleiten. Mittlerweile ist er vollends erblindet, wir konnten ihn aber an ein Geschirr gewöhnen welches er an bekommt, wenn er sich auf unbekanntem Terrain bewegt. An diesem Geschirr sind Griffe befestigt, die es uns erlauben, Hector zu führen oder zu stoppe, wenn er droht irgendwo gegen zu laufen. Das Geschirr an zu ziehen ist nur mit Maulkorb möglich, dass daran geführt werden funktioniert allerdings schon ohne Mauli. Hector ist an und für sich eine coole Socke und hat sich über die Jahre auch wirklich gut entwickelt. Er lebt so lange in der Foundation bis sich jemand meldet dem genau so ein Hund in seinem Leben fehlt oder der nach dem 5ten Lockdown einfach mal wieder nach einem richtig langen Abenteuer zu Mute ist.

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