
Unser Kalenderbild im Februar. Bizerba der unzerbrechliche. Gerade wird wieder ein XL Bully durch die Medien getrieben. Die einen vermuten seine Unschuld, die anderen fordern den sofortigen Tod und ein Verbot der Rassen. Bizerba haben wir vor 3 Jahren an Weihnachten übernommen. Alles begann mit einem Anruf von der Polizei. Eine Frau wurde in der Wohnung ihres Bekannten zusammengebissen. Es sei ihr gelungen, den Hund einzusperren. Sie sei bereits mit dem Hubschrauber unterwegs in die Klinik. Ihr Bekannter traut sich nebst dem Rest der Welt nicht in die Wohnung rein. Draußen waren es knackige -3 Grad. Zum Glück ist Weihnachten nichts für mich, denn ich glaube nicht an Männer und schon gar nicht an jene, die Menschen von einer Wolke herab regieren. Also Kram gepackt und los ins einstündig entfernte Kaff, wo der hausbesetzende Bizerba nun zu finden sei.
Angekommen traf ich auf zwei nette Beamte. Aber halt eben auch Beamte mit Waffen und einem Angebot eines Schutzanzugs. Und da beschleicht mich immer so ein bisschen der Zweifel, ob ich da bei so einer Rettungsaktion mit einem wildgewordenen Hund, der dann in der Tat auch mal unvorhergesehen durchgedreht reagieren kann, mit bewaffneten Nichthundeprofis im Rücken und im Notfall ein wirkliches Backup oder ein zweites Arschloch bekomme.
Kurzum, an diesem Abend waren es zu viele Menschen, zu wenig Ahnung und ich bin alleine in die Höhle des Löwen gerannt. Bizerba war heilfroh, als er aus dem Kriegsschauplatz Wohnzimmer, Küche, Bad herauskam und mir drängte sich aufgrund menschlicher Zahnabdrücke, die sich auf seinem Kopf abzeichneten, auch schnell der Gedanke auf, warum er kooperativ anstatt gefährlich war.
Die Halterin muss das Problem gewesen sein. Wenig später sollte sich herausstellen, dass besagte Frau zum Teil obdachlos und ohne jegliche Hilfe, dafür aber mit schwerer psychischer Erkrankung sowie Alkoholismus kämpfte und sich mit Bizerba so durchkämpfte.
Bizerba hatte bereits eine Passantin angegriffen und schwer am Arm verletzt. Da die Behörden aber keine richtige Meldeadresse hatten, schob man sich den Fall so zwischen Landkreisen hin und her. An Bizerbas Gefährlichkeit bestand kein Zweifel und erst nachdem Frauli mit dem ADAC-Hubschrauber los musste zum Chirurgen, konnte man ihn dingfest machen. Und wie gut, dass wir ihn übernommen haben, sonst wäre er jetzt tot. Das war zumindest der O-Ton vom Amt, das den Fall dann endgültig zu bearbeiten hatte, noch bevor schnippisch hinzugefügt wurde, dass man keinerlei Kosten übernehmen würde und der Hund nun unser Problem sei.
You don’t say 👀 Surprise Surprise, das ist ja mal ganz was Neues.
Zu Bizerba gesellte sich Tucker, der ebenfalls falsch gehandelt und dadurch recht explosiv geworden war. Zwei Tierpfleger mussten diese Fehler dann ausbaden und kämpfen vermutlich heute noch mit den Folgen von Tuckers Kahlschlag. Später dann kamen Tyra, ihres Zeichens Hundekillerin, und eine vierköpfige XL-Bully-Gang dazu, die eine ihrer Bezugspersonen in einer Gruppendynamik angegriffen und schwer verletzt haben.
Auch hier: Zuchtfehler, Haltungsfehler und Versagen bei Behörden und Menschen, die für die Hunde zuständig waren. Die Zeitungen haben mich immer wieder gefragt, was das Gefährliche am XL Bully ist, und ich sag’s euch: der Mensch.
Der Mensch, der einen Frankenstein aus optischen Gründen züchtet.
Der Mensch, der einen Hund aus rein optischen Gründen kauft.
Der Mensch, der seinen Erziehungsauftrag nicht erkennt.
Der Mensch, der seinen Hund nicht als Hund erkennt und vermenschlicht.
Der Mensch, der eine Haustierindustrie unterstützt, in der gequält, verstümmelt und krank gezüchtet wird.
Der Mensch, der nicht begreift, wie sein Tier leben will.
Der Mensch, der seine emotionale Leere füllt, indem er seinen Hund missbraucht.
Ein Tier, das nicht weg kann. Eingesperrt 24/7. Gekauft und mitgenommen. Eingesperrt mit einem Monster, das ihn anfasst, tot liebt und nur ungern raus geht. Ungern Führung übernimmt. Ungern mit Konflikten umgeht. Ungern kommuniziert bis zur absoluten Eskalation. Und einem Monster, das nach all der Ignoranz und gewollten Blindheit, wenn es um Bedürfnisse ging, die Tötung vornimmt und es Erlösung nennt.
Bizerba hat nun gute 3 Jahre gebraucht, um uns zu vertrauen und nicht immer in alte Muster abzurutschen. Er wird tagtäglich fröhlicher und das Misstrauen schwindet. Auch Artgenossen und Katzen lassen ihn nun nicht mehr komplett aus der Haut fahren. Er ist ein toller Hund für die, die verstehen, was das ist – so ein Hund.
