Nachts um 3 in Hörpel – ein Rückblick auf den Tag

Es ist 6 Uhr morgens in der Hellhound Foundation. Eichhörnchen streiten sich um undefinierbare Dinge am Boden,


die Sonne ist grade so da und hat die Strahlen durch die in Norddeutschland typische allmorgendliche Wolkendecke geworfen, Vögel zwitschern und eigentlich fehlt nur noch irgendeine klassische Symphonie im Hintergrund.

Stattdessen „starting off with a blast“, BÄM! Ein Knall, ein Scheppern, die Eichhörner bei 3 auf dem Baum mit Herzrhythmusstörungen. Pensionsweiler „BODO“, flaniert über den Platz der Idylle, er hat die Tür seines Zimmers mit der rohen Gewalt seines Schädels durchbrochen, weil ihm die roten Eichkatzen nicht gefielen. „Shame on me“, wer glaubt bei solchen Naturgewalten auch schon an Holztüren mit Zierrahmen?

Vom Urknall geweckt und noch Barfuß, runter in die Küche rennend, um an die dicken LOWA Stiefel zu gelangen und erstmal fröhlich von Dackel „Adolf“, (dem einzigen permanent-Maulkorb tragenden Bewohner der Foundation und seit heute Morgen weiß ich auch wieder wieso) in die rettenden Botten.
Den tödlichst wütenden Dackel abgeschüttelt und ab durchs Küchenfenster nach draußen, dem Pensionsweiler nach, welcher gezielt ahnungslos auf die Gartenlaube der Finsternis zusteuert.

In der Laube wäre für ihn, Rastaff, der Finstere kennen zu lernen gewesen, welcher dort in lauen Nächten das alte „ Nockeby“ vom Schweden als Schlafplatz nutzt und auch verteidigt.

Ein beherztes „BODO du Eimer, hiiiier!“, als Rettung in letzter Sekunde, Rastaff blinzelte bereits verschlafen ums Eck.
…Das alles vor dem ersten Kaffee *schnauf* aber OKAY nun alle wach?

Dann kommen wir mal zu weniger schönen Dingen.  „Wie schön, dass es die Hellhounds gibt, endlich eine untödliche Lösung für bissige Probleme!“…so oder so ähnlich freut sich die Allgemeinheit und JA das sind wir, immer und auch definitiv gerne. ABER wir besitzen weder einen stets gefüllten, via Pipeline an eine Bank angeschlossenen Tresor, NOCH die Fläche oder Rechte an einem eigenen Planeten.
Wir tun unsere Arbeit also hier in dieser Welt, in Deutschland und an die Gesellschaft angeschlossen.

Problem Nr. 1.
Keiner weiß so wirklich wie man so einen eigentlich toten und bissigen Hund in einer Tierschutzeinrichtung richtig hält.
Sie kommen eben nur vereinzelt vor und viele sterben kurz darauf auch durch die Euthanasie, weil sie dem Halter, den Behörden, oder dem Tierheim zu heftig sind.
Und weil sie eben keiner Rasse zuzuordnen sind und kaum zu kategorisieren sind, erhalten sie auch von uns den Überbegriff als, „Höllenhunde“. Die Rede ist einerseits von Hunden die durch die Hölle gingen aber auch von Hunden von denen man auf Grund ihres Verhaltens vermuten würde, dass sie von dort kommen .

Problem Nr.2.
Wir sind eine der wenigen Stellen in Deutschland die solchen Hunden überhaupt eine Chance einräumt UND wohl auch die einzigen mit derartiger Kapazität und Muße sich so viele Knallköpfe auf einmal anzutun.

Kurz: Jetzt nach sämtlichen Hundekriesen in Deutschland und der damit einhergehenden Hysterie sind wir voll. Randvoll.
Förmlich zugeschmissen mit bissigen Teilzeit Prinzen und Vollblut Prinzessinnen und dem ein oder anderen Fabelwesen.
Während man Prinzen und Prinzessinnen nach kaltem Thronentzug und dem Erlernen der wichtigen Werte im Leben wieder in ein gutbürgerliches Leben eingliedern wird, sofern die neuen Hundeeltern jegliches Erheben eines Hoheitsstatus im Keim ersticken, sieht’s für unsere wunderlichen Fabelwesen mit breitem Sortiment an Verhaltenswandlungen, eher mau aus. „Gnadenhof der Kuscheltiere und so…“
Zu Verhaltens-originell und seltsam für den gemeinen deutschen Haushalt.
Und was nun ?  Um Graf Koks und Prinzessin Wunderlich reißt sich schon kaum einer.  Die Verantwortung im Alltag ist zu groß, das Management zu schwierig und anstrengend.
Das ist gut verständlich. Viele von uns arbeiten viel zu viel, verlangen sich zu viel ab und opfern wahnsinnig viel Zeit und Lebensenergie für den eigenen Status und das lebenswichtige Wohl.  Wer hat da ab 17 Uhr noch Bock auf nen hauseigenen Drachen, der eventuell während der Abwesenheit vom Halter schon chaotische Innendesign Ideen umgesetzt, den fürs Abendessen präparierten Braten von der Anrichte gezerrt und zum größten Teil gefressen, verdaut und auch schon im Hausflur losgeworden ist und einem nun auch mitsamt der Restfetzen vom Sofa und seiner eigens produzierten Hinterlassenschaft an den Läufen, mit aufgesetzter Fröhlichkeit und gespielter Freude entgegen schlittert?
Und für den der Spaß aber spätestens beim Betreten der Küche endet, denn da liegen ja noch die Reste vom Braten und der hundsgemeine Status schreit „Herrchen muss raus! Wir starten eine Meuterei“!
Niemand will sowas! Einfach niemand!
Früher hätte man´s erschossen, heute bekommt´s besondere Aufmerksamkeit vom Problemhundberater.  Doch wo kommen all die Biester her?
Wer hat sie gerufen die ganzen Problemgeister?
Dieser Tage scheint es als gäbe es zu jedem Alptraum den passenden Hund.  Sie heißen Spike, Chicco, Kowu oder Fridolin und sind Meister ihres Fachs.  „Das Böse läuft immer am anderen Ende der Leine“
Und was ist mit denen die ihren Hund gar nicht anleinen? – Mit dem Spruch kommts leider schon lang nicht mehr aus!  Wir hier in der Foundation beobachten jedenfalls dieser Tage seltsame Phänomene und Wandlungen.
Und während wir die Tore der Hölle gründlichst sichern und verriegeln damit keines unserer Scherengebisse ungesichert und wild durch Wiesen und Straßen fliegt, scheint ein gewisser Anteil der Hundehalter völlig unbeschwert oder auch leicht wahnsinnig durch die Butterblümchen zu laufen.  Woran liegt’s?
Bekanntlich haben Dämonen viele Gesichter:

Maske 1:  Unwissenheit:
Es findet oftmals vor dem Hundekauf kein ausreichendes Auseinandersetzen mit der Rasse oder auch im Allgemeinen mit der Kultur des Hundes statt.
Oftmals treffen wir auf überforderte Halter die gar nichts von den Eigenschaften des von ihnen ausgewählten Hundes wussten.

Maske 2:  Verneinung:
Manche Rassen oder auch einzelne Hunde haben einen schlechten Ruf.
Anstatt sich sachlich damit auseinander zu setzen und evtl. zu erkennen, dass dies nicht am Hund liegt sondern ggf. an den rassebedingten Eigenschaften (der Terrier z.B. wurden mal dafür geschätzt und auch selektiv drauf gezüchtet stur und unnachgiebig zu sein – was für Jagd und Sport auch durchaus gut ist … nicht aber wenn es sich aus Langeweile in der 3 Zimmerwohnung auf die umgebenden Reize überträgt und anstatt der Ratte oder dem Wildschwein eben Nachbarin Müller mit Pfiffikus an der Leine trifft, weil die eben auch beide quietschen wenn man drauf rumkaut.  Sprich: Das ein oder andere früher verfolgte Zuchtziel für einen bestimmten Zweck ist heute evtl. gar nicht mehr gewollt oder gebraucht- der Hundetyp mit dem entsprechenden Potential aber noch da und auch weiter in der Zucht. Wir haben einige verunglückte Fehlkäufe hier wo Halter irgendwann das Handtuch geworfen haben und einsehen mussten, dass ihre Vorstellungen weit entfernt vom Charakter ihres Hundes liegen.

Maske 3:  Irreführung:
Nicht selten passiert es, dass man einen Hund einer bestimmten Rasse, oder aus einem bestimmten Tierschutzverein (oft bei Auslandsorgas) kennenlernt und auch gleich den strahlig, herzigen Blick des Halters wahrnehmen muss der zu diesem Traum oder Seelenhund passt.
Irrtümlicherweise wird vom selben Züchter/Verein dann ebenfalls ein Hund besorgt in der Annahme, dass man damit nichts falsch macht.
Vereine und Züchter werben ja schließlich auch damit und so viele Leute können sich nicht irren.  DOCH! Denn diese Menschen sind nicht SIE und diese Menschen wissen auch nichts über IHRE Leistungsfähigkeit, IHRE Geschichte und IHRE Belastbarkeit.
Reflektieren Sie bitte selbst wer Sie sind, was Sie können und ob der angestrebte Hund zu IHNEN und in IHR Leben passt! Sie kaufen sich schließlich auch kein Motorrad, wenn sie ein Auto brauchen.

Maske 4:  Die eigene Vorstellung:
Dies ist die oftmals grässlichste und bösartigste Fratze, da hier zweierlei Dinge aufeinanderprallen.  Der Traum und die Realität. Tiere halten bedeutet Dreck, Zeit die investiert werden muss und viel Geld was sie fremden Menschen wie z.B. dem Tierarzt oder den Hundetrainern abgeben müssen.  Wir z.B. dürften wohl bald Wohnrecht in der Tierklinik anmelden.  Und was bei einem Höllenhund noch dazu kommt ist emotionaler Druck und Schmerz, die Realität die einem die eigenen Grenzen wie Dreck um die Ohren wirft.  Die Erkenntnis, dass man´s nicht schafft und die Frage was dann?
Euthanasie eines geliebten Tieres oder die Abgabe? Und im schlimmsten Fall die Mutation zum Außenseiter, oder das Gesetz was das Mensch Hund Team sprengt und den Besten Freund abholt und einschläfert, nachdem man so lange gekämpft hat, soviel investiert und so viel ausgehalten hat.

Maske 5:  Leichtfertigkeit:
Und dann gibt’s da noch die, die zu spontanen Dingen neigen, die unüberlegt handeln und dann nicht die Verantwortung tragen wollen.
Bitte seien sie in vielen Dingen spontan. Streichen sie ein Zimmer rot und ein anderes grün und meinetwegen hauen Sie ihr Geld drauf und kaufen sich den Wagen, oder die neue Küche.
Aber bitte NICHT den Hund, weil er so schön aussah!  …und dann besitzt so ein dämonisches Vieh auch noch den endlos langen Rattenschwanz.  WICHTIG! Genannte Ratten sind die schwarzen Schafe aus der jeweiligen Kategorie die lediglich zeigen, dass zu einem versauten Hund nicht nur der Halter beitragen kann, sondern eben auch das Umfeld welches vom Hund und Halter Team aufgesucht wird!!!!

Rattenschwanzglied 1: Züchter/Händler und Tierschutzvereine. 

Auch hier zeichnen sich zwei Unmöglichkeiten ab.
Die Erste, Ihr ahnt es schon, das Geschäft mit den Hunden.
Egal ob seriös oder unseriös, wenn ich neues Leben in die Welt setze trage ich die Verantwortung dafür ebenso wie wenn ich eines vor dem Tod bewahre. Schön wäre es hier, wenn hier nach und nach ein Umdenken stattfände zum Thema:

-Qualzuchten
-Hoch spezialisierte auch heute noch für die Arbeit gezüchtete Rassen und deren Vermittlung an Unerfahrene Fans.
-Exotische und spezielle Rassen die für Deutschland auf Grund von Klima und Platzangebot
eigentlich ausscheiden.
– Hundetypen die in der aktuellen Erziehungsdepression zu enormen Verhaltensauffälligkeiten neigen

Rattenschwanzglied 2: Die Szene.

Eigentlich ein Unterschwanzglied von 1.
Verschiedene Rassehunde oder auch Orgas bilden sektenartige Fangruppierungen aus, die als Gruppe auftretend, wirklich üble Basher im Netz sein können und sich oft untereinander den Kelch der Weisheit weiterreiche und als absolute Kenner einer Rasse, oder Gottheiten aus dem Tierschutz selbst beweihräuchern.  Gerät der gemeine Hundehalter als Hilfesuchender an derartige Extreme, kann er schon nach kurzem Kontakt in absolute Hilflosigkeit verfallen und nahezu depressiv, durch reichlich Selbstzweifel, was für ein abscheulicher Mensch er ist weil sein Hund z.B. ein Geschirr trägt oder eben keins, verfallen.
Auch ist er übler Tierquäler, weil er 8 Stunden arbeiten geht und einen Hund hält, oder weil er eben nicht arbeiten geht. Weil er falsche Fragen stellt oder eine Ansicht nicht teilt .
Ähnlich ist es mit Hundefutter Fanatikern und den Gottheiten der Trainingsmethoden-Arena. VORSICHT BISSIG!

Rattenschwanzglied 3: Die Hundetrainer.

Wussten Sie das JEDER Hundetrainer werden kann, egal was er vorher gemacht hat?  Ja richtig, auch Anneliese Schmidt aus der Wurstwarenabteilung kann sich beruflich, ganz ohne Ausbildung, völlig neu strukturieren, weil… na eben weil sie mal einen Schäferhund hatte…oder ihre Eltern und sie kannte ihn bis sie 5 wurde und er starb, aber sie kamen gut klar.  Was nicht heißt, dass sie keine gute Trainerin werden kann, aber es heißt, dass der Job des Trainers keine besondere Fachkenntnis oder Ausbildung erfordert.  Dies wiederum bringt eine ordentliche Vielfalt an Meinungen, Ahnungen, Erfahrungen, Ausbildungen und vor allem Menschen auf den Markt, die sich alle wild an der Kundschaft austoben können.
Warum das so ist? Weil die Trainer untereinander sich genauso uneins sind wie die Religionen und jeder sich seine eigenen Geschichten bastelt, aber den Anspruch hält, dass nur seine Version stimmt…je mehr Anhänger desto richtiger der Kult.  Gruselig? Ja allerdings. Und dramatisch für den Endverbraucher Hund und Halter.

Uns sind Fälle bekannt, wo Kollegen bis zur letzten Minute um den Kunden „kämpften“ und sogar bis zur Empfehlung der Euthanasie gegangen sind, um Recht zu behalten, mit ihrer Einschätzung des Hundes als Problem/Gefahr.

Was jetzt nicht heißt, dass der Weg immer der falsche ist …in den Fällen, die es zu uns schafften allerdings häufig zu Unrecht ausgesprochen.
Bedenklich und ärgerlich.

Rattenschwanzglied 4: Die Tierärzte: 

Wussten Sie, dass es hier zu Lande verboten ist einen gesunden Hund einzuschläfern?
Und dennoch gibt es sie, Tierärzte die Hunde, ohne behördliche Anordnung, einschläfern.  Sie arbeiten für Tierheime und töten für Privathalter bei gutem Verhältnis.
Natürlich ist die Euthanasie in einigen Fällen ein notwendiger Schritt, jenen aber die glauben man könne sich Fehler und entstandene Probleme mit Giftspritzen und Ködern vom Hals halten, sei gesagt, dass dies die aktuell nachwachsenden Problemhunde nicht aufhalten wird, sondern nur zu der Illusion führt sicher zu sein, bis der nächste Beißer unentdeckt um die Ecke kommt.
Man muss aufklären und bessere Möglichkeiten für Halter schaffen sich richtig zu informieren.

Rattenschwanzglied 5: Die Politik und die Zwangsberater auf der Hundewiese.

Ist beides dasselbe.
Beide haben einen Auftrag und viel Meinung mit wenig Ahnung. Für kein Tier bezahlt man Steuern, außer für den Hund.
Für kein Tier gibt´s Auflagen, außer für den Hund.
Weder die Hundewiesenfachspekulanten, noch die Menschen von der Politik, haben nebenher die Zeit gefunden Kynologie zu studieren. Deshalb sollte man sie auch nicht verurteilen.  Vielmehr sollten die, die sich auskennen einen Weg finden, zusammen zu arbeiten, ehe die Medien die aktuellen Geschehnisse so verwursten, dass sich jemand mit wenig Ahnung genötigt fühlt, durch Taten zu glänzen.
Noch so eine tolle Idee wie die Rasseliste verkraftet doch keiner.  Man sieht, das Biest erhebt sich von allen Seiten und zaubert aus einem ursprünglich nett von Mutter Natur programmierten Welpen, ein verhaltens-flexibles Drama im Alltag und Bekanntenkreis.  Viele Faktoren, begünstigen und fördern dieses Verhalten und nicht immer gibt es dazu auch den absolut und alleinig Schuldigen.

Gedankenexperiment: (Ich werde alles etwas übertreiben um zu verdeutlichen)  Stellen Sie sich vor, ich habe Ihnen aus unerfindlichen Gründen was zu sagen und bestimme über Sie.
Wir kennen uns nicht und doch bestehe ich drauf, dass Sie sich mit mir eine Wohnung teilen und erlege Ihnen ab heute die Rolle eines Superhelden auf.  Sie sind jetzt „Captain Protection“. Google kennt ihn nicht und auch sonst wissen Sie nur aus dem Englisch Unterricht, dass das irgendwas mit Schutz zu tun hat.
Schutz OKAY. Vor was oder wem? Brauche ich Schutz oder vielleicht Sie?
Für Sie verständliche Antworten bekommen Sie von mir nicht, nur negative Resonanz wenn Sie nicht meinen Erwartungen entsprechen. Ich zwinge Sie also sich meinen Launen anzupassen und sich zu orientieren um ein einigermaßen ruhiges Leben zu führen. Dies passiert nicht bewusst von mir sondern vielmehr aus der Tatsache heraus dass mich meine persönlichen Probleme mehr interessieren als Ihre.

Schwierig.

Sie müssen sich an mir orientieren, doch manchmal scheint es als ob ich selbst nicht recht weiß, was ich eigentlich will.  Wir sitzen in einem Raum, es klopft an der Tür. Ich springe hinters Sofa verhalte mich ängstlich, „Captain Protection!“.
Sie gehen etwas verunsichert zur Tür, da in Ihrer Welt dort eigentlich nie Probleme existiert haben.  Sie öffnen sie, sind auf Grund meiner Reaktion aber zum Kampf gewappnet. Plötzlich springe ich hinterm Sofa hervor, zerre sie wütend weg „Hör auf!“.
Auch wenn wir uns draußen bewegen, zeige ich immer wieder Unsicherheit oder habe plötzlich Angst vor sich nähernden Personen.
Doch immer, wenn Sie sich grade anhand meiner Reaktion davon überzeugt haben, dass der sich nähernde Mensch eine Gefahr darstellt, unterbreche ich Sie und es geht weiter.  Mit der Zeit gehen wir nur noch spät abends raus, weil Ihr verhalten mich nervt.
Sie hingegen wissen immer noch nichts.  Weder was es ist, vor dem ich mich fürchte, noch warum ich Sie immer wieder zurückhalte und dann wütend bin.  Einmal kam uns ein Betrunkener entgegen, den haben Sie eingeschüchtert und ich habe mich riesig gefreut, Sie sind ein Held!
Danach bringe ich Sie zum Schlafen in Ihr Bett welches in einem großen Käfig steht.
Ihre Superkräfte sind mir manchmal doch zu unheimlich.  Ich gebe Ihnen immer wieder das Gefühl, dass Sie derjenige sind, der alles im Griff hat, der, der alles bestimmen darf und setze mich dann im Nachhinein über Sie hinweg.
Zerre sie in Ihr Käfigbett, oder schnauze sie an, weil Sie sich falsch verhalten.  Ich stelle Sie einem Psychologen vor, der Sie ebenfalls als Gefahr einschätzt.
Egal was Sie sagen, man hört sie nicht, Ihnen bleibt nur die Orientierung an mir.  Sie werden selbst unsicher, sehen in jedem eine Gefahr. Die Tür, herannahende Menschen, einfach alles.
Verzweiflung macht sich breit. Sind Sie wirklich gefährlich? Es fühlt sich eine Zeit lang ganz gut an in der Rolle des Beschützers zu sein und andere ausweichen zu sehen, wenn danach nicht immer die Unstimmigkeit zu Hause mit dem Weggesperrt sein wäre.
Wenig Heldenhaft ist diese Behandlung und wütend macht sie. Und dann immer wieder diese Ambivalenz.
Tag ein Tag aus, ohne erkennbares Muster, lobe ich Sie in den Himmel und gehe Sie dann frustriert an. Sie fühlen sich nicht wohl und kämpfen dagegen an, doch das macht es noch schlimmer.
All Ihre Bedürfnisse zählen für mich nicht, ich lebe Gefangen in meiner eigenen Angst, in meinen Problemen, Sie leben nur hier wegen der Rolle die ich Ihnen gegeben habe. Natürlich mag ich Sie aber wir verstehen uns oft nicht und in letzter Konsequenz ist es mir immer egal wer Sie sind und ich sperre Sie weg.  Wie lange halten Sie dieser Aufgabe stand? Es gibt viele Fragen und Vieles was Sie nicht verstehen? Es wird niemanden geben der es Ihnen erklärt, es gibt nur mich. Mich und meine Probleme. Wann drehen Sie durch?  Für heute sind Sie nicht Sie selbst, Sie sind auch nicht „Captain Protection“

ihr Name ist Chicco, Rex, Bonnie ….“,

Ihr Schicksal ist das vieler angeschaffter Hunde.
Hunde die in Rollen gedrängt werden, welche für sie nicht zu verstehen sind.
Angeschafft aus oftmals egoistischen Motiven, eventuell von Natur aus mit schwachen Nerven versehen, verzweifeln sie an Ihren, für sie undefinierbaren Aufgaben.  Vor einigen Jahren noch waren die Gründe für die Anschaffung eines Hundes, weil er sich gut für die Jagd, für das Treiben und Hüten von Vieh, zur Bewachung usw. eignete.
Das heißt, der Mensch hat das Potential der jeweiligen Hundetypen erkannt und sie für sich nutzbar gemacht und durch Zucht weiter ausgeprägt.
Hunde waren also Helden, weil sie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt worden sind und dadurch helfen konnten .

Dank Disney und einigen anderen Medien ist das heute anders.

Booooo Disney !  ….

Naja eigentlich sind die Zeichentrick Hunde, welche Menschenleben über ihr eigenes Stellen und Herrchen und noch zusätzlich 8 Kleinkinder und ein Katzenbaby aus den lodernden Flammen ziehen weniger schuldig als wir, die so einen Freund auch in der Realität haben wollen und dann anfangen Hunden menschliche Gefühle anzudichten.

Der Wunsch nach dem besten Freund überwiegt die Tatsache, dass dieser unsere Emotionen und Erwartungen nicht richtig deuten und erfüllen kann und eben ein Schlageisen im Fang mit sich herum trägt, mit dem er dies im Zweifel auch verdeutlicht.  Natürlich ist es eine schöne Vorstellung einen treuen Begleiter zu haben, der immer für einen da ist und einem im Zweifel sogar beschützend zur Seite steht …
Für den Hund wiederum, welcher sich weder diese Rolle aussucht (weil seine Genetik ihm etwa eine Kooperation mit Menschen vorschlägt, ihn z.B. aber auch zum selbstständigen arbeiten und Bewachen nach draußen schickt wo er auch ohne menschlichen Kontakt funktionieren kann), noch mich von Beginn an als seinen neuen besten Freund bezeichnen kann, da diese Rolle auch klar definiert und hundlich übersetzt werden muss, bedeutet dies im Zweifel ein eher schwieriges Zusammenleben.  Was passiert, wenn solche Beziehungen brutal und verzweifelt ihr Ende finden, erleben wir hier in der Foundation immer dann wenn das eine Ende der Leine mit dem beschädigten anderen Ende hier anklopft.

„Willkommen im Tierschutzmülleimer“…höhö…*hust*

Es sind Exoten, Ausländer und Hunde mit Rassebuch und toller Abstammung…unmöglich also eine Rasse als böses Exempel raus zu filtern.
Genauso unterschiedlich wie ihre Menschen, die von arm zu reich, von groß zu klein, von jung zu alt, von naiv bis über vorsichtig und bedacht, von intelligent zu etwas weniger intelligent reichen und nicht zu kategorisieren sind.
Allerdings hatten alle eines gemeinsam, Kommunikationsprobleme, Ratlosigkeit und alle haben es trotz der schlimmen Erfahrungen auf sich genommen, zu uns zu fahren um ihren Freund in erfahrene Hände zu geben.
Wir erleben aber auch Hunde aus Tierheimen oder Beschlagnahmungen deren Verhalten krankhaft und süchtig oder schlichtweg verzweifelt ist.  Wir erleben hier Hunde die unter den Anforderungen schier verrückt wurden und sich selbst verstümmeln, Hunde mit Identitätskrisen, Hunde die in ihrer Hilflosigkeit einfach alles abwehren und nicht mehr kommunizieren können.  Hunde die stundenlang, zitternd vor einem Futternapf ausharren ehe man ihn freigibt oder bei dem kleinsten Blickkontakt völlig ausrasten.
Hunde bei denen das bloße anleinen zum Erstarren führt. Junkies die auf alles gehen was sich schneller als im Schritttempo bewegt oder die die nichts anderes als Gewalt kennen und diese auch immer wieder ausleben, um das bekannte und damit „vermeintlich sichere“, Gefühl zu erleben.

Es ist nicht jeden Tag schön oder einfach, sie so zu sehen und zu wissen, dass es Zeit braucht damit sie lernen was Hund-sein eigentlich bedeutet.

Dass sie hier keine Verpflichtungen haben, dass es keine Erwartungen gibt.
Sie sind hier nicht mehr das Wunschkind oder der Ersatz für den alten Rex der ja „soo toll war!“, die Maschine die Leistung bringt oder der Ersatz für ein Familienmitglied was die Familie verlassen hat. Sie sind nicht mehr das Vorzeigetier oder der kleine Prinz und auch nicht mehr der Boxsack für den Frust über das eigene kaputte Leben oder das Sexspielzeug.
Sie bekommen die Zeit Menschen neu kennen zu lernen und neben uns zu lernen, dass wir sie sehr wohl verstehen und auch in ihren Ausrastern ernst nehmen.
Sie leben, sofern sie es können, in Gruppenverbänden und sind erst mal nur unter ihres Gleichen. Beobachten ihre Artgenossen im Umgang mit uns und finden selbst zu uns zurück.

Oft werden wir gefragt, wie oft wir trainieren, oder ob man beim Training zuschauen darf.

Liebe Leute trainieren kann man für einen Marathon, üben kann man für eine Prüfung.
Unsere Hunde können nahezu alle „Sitz“ und „Platz“ und all den anderen Firlefanz, wenn sie herkommen.
Sie erkennen Trainingssituationen bereits von weitem und verhalten sich ruhig, denn das angepasst sein sichert krass gesagt, ihr Überleben und Vorankommen.
Sie haben oft gelernt, nicht mehr zu knurren oder Vorzuwarnen, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass diese Art Kommunikation ihnen kein Verständnis, sondern Strafe einhandelt.

Kurz übersetzt und vom Beißen als Strategie überzeugt, schlagen sie sich durch. Gelernt ist eben gelernt und was nicht passt wird verprügelt.

 

Zum Teil verteidigen Hunde bei jeder Gelegenheit ihren Status und reagieren bei sofortiger „Behandlung“ überfordert und entsprechend überreizt.
Bis wir über das Thema „Menschen mampfen is scheiße“ reden vergehen manchmal Monate und manchmal ist es dann auch gar nicht mehr das wirkliche Problem.
Wenn der 30 Stunden lang, her gekarrte Rumäne z.B. erstmal die positiven Eigenschaften einer Leine (also nicht .“Scheisse ich häng an diesem fremden Menschen fest und werd sinnlos durch wunderschöne Landschaften gezerrt. Futter schleppt der Depp auch noch mit …was wenn jetzt 5 hungrige Wilde um die Ecke kommen? Dann komm ich nicht weg und die Nahrung is auch dahin)

kennen lernt und auch verstanden hat, dass ihm sein Futter jeden Tag gewiss ist und Gassie somit Spaß macht und keine sinnlose Energieverschwendung, die draußen den Tod bedeuten kann.

 

Sind schon mal einige Missverständnisse beseitigt und man kommt schneller dazu ihm auch andere Menschen positiv zu verkaufen, denn ganz nebenbei hat dann eben auch eine Orientierung und damit eine gewisse Sicherheit Einzug gehalten.  Auch der Vollproll-Rotti der Nachbars Wrestling- Russelterrier auf dem Gewissen hat, ist vielleicht eher bereit, die restlichen Vertreter dieser Art links liegen zu lassen, wenn er die Entscheidungsgewalt über solche Dinge bei einem souveränen Menschen abgegeben hat. Der ihm schon vorher in der ein oder anderen Situation mal Bescheid gesagt hat, dass nur einer bestimmen kann, was läuft und der Vorteil aber ist, dass es beide zusammen durchziehen und nicht er allein. Was eine erleichternde Wirkung auf einen derart vom Leben gestressten Prollweiler haben kann.

Hunde sind nämlich eher Macher als Verwalter. Sie halten sich nicht lange mit Überlegungen auf und folgen meist ihren Instinkten und dem wozu man sie ursprünglich gemacht hat. Kein Rüde wird sich je sinnvoll und friedlich mit einem anderen darüber auseinandersetzen, wer nun die läufige Dame besteigt.

Was lernen wir daraus?

Es kann prinzipiell jeden Hund treffen und es ist nicht ausschließlich, oder immer das andere Ende der Leine Schuld.
Das aufdrücken einer ungeeigneten Rolle, spielt in der heutigen Zeit leider eine erhebliche Rolle und begünstigt das gehäufte Auftreten der sogenannten Problemhunde. Aber es ist eben eine ganze Reihe an Faktoren die das Feuer dann richtig in Gang setzen.

Wir müssen anfangen Hunde ehrlich zu betrachten und ihre Kultur so respektieren wie sie ist. Wir erheben das Recht, uns mit der Begründung intelligenter und fortschrittlicher zu sein, über alles Leben auf diesem Planeten zu erheben, somit wird es zu unserer Pflicht die Tiere, die wir uns nach unseren Bedürfnissen hinzüchten und abhängig machen, auch zu respektieren und ihnen das Verständnis entgegen zu bringen, was sie für eine artgerechte und erfüllte Lebensweise brauchen.  Hunde brauchen kein Ehrenamt um sich gut zu fühlen und dürfen nicht unsere Seelenklempner werden, es macht sie krank und wahnsinnig.
Sie sind nicht dazu gemacht unsere sozialen Defizite auszugleichen und auch nicht dafür da als Mittel gegen unsere Einsamkeit missbraucht zu werden. Sie sind tolle, ungehemmte und fröhliche Kreaturen die, sofern sie Hunde bleiben dürfen, auch gerne mit uns zusammenarbeiten, schmusen und blöd sind bis der Arzt kommt.
Dazu haben wir sie uns rangezogen und dafür müssen wir jetzt auch grade stehen.

Woran arbeiten wir jetzt also während wir voll sind und uns „rausreden“ dass die Hunde Zeit brauchen?  Wir wollen die Funktion als Mülleimer weiter beibehalten, ABER wir wollen den Mülleimer aufhübschen und den Giftmüll und die Sprengstoffe besser absichern, sodass sich auch unerfahrene Leute in der Foundation bewegen können, um als mutige und erfahrene Menschen wieder in die Hundewelt zurückzukehren.

Sprich, wir wollen umbauen. Denn wir haben die Hunde und mittlerweile auch coole Socken die so verhaltensflexibel sind, dass wir sie hier gut händeln können, eine Vermittlung aber nicht mehr in Frage kommt.
Diese Hunde sollen hier nicht vergammeln, sondern anderen Trainern (Zitat Nessy: „Mir doch egal, wo die herkommen, wenn se hier her wollen sind se auch richtig hier), Tierheimpflegern und Hundehaltern helfen sich in die Arbeit mit schwierigen Hunden einzufinden und von ihnen lernen.

Hier würdet ihr also alles finden was nicht im Lehrbuch steht 😉 und lernen wie man damit umgeht. Dazu ist allerdings von unserer Seite aus noch etwas Aufwand nötig.
Schnöde 50.000 Euro später würde die Idee für das „District K9“, dann aber umsetzbar und testfähig für die Außenwelt bereitstehen. Ja, wir müssen hier alles selbst aufbauen und erarbeiten. Wer also einen gutherzigen Sponsor kennt oder selbst im Geld ertrinkt…

Genaue Skizzen und Pläne für das Projekt findet ihr unter „Unser Projekt“ . Das heißt, wir machen den Scheiß nicht mehr alleine, sondern versuchen mehr Leute handlungsfähig zu machen. Hunde einschätzen, beobachten und unter Anleitung auch an Problemen zu arbeiten und auch eigens mitgebrachte Problemchen sowie Praktika Seminare und Workshops wären dann realisierbar.

Wir denken, dass sich in Richtung dieser Hunde nur dann was verbessert, wenn sich mehr Leute damit auseinandersetzen die dann zusammen einfach auch besser helfen können.

So ausgeschissen! Gute Nacht!