Oaky

Rasse Deutscher Schäferhund
Geburtsdatum 15.03.2015
Geschlecht männlich

Oaky der mittlerweile 5 Jahre alte deutsche Schäferhund kam als Abgabe von Privat zu uns, da er eine Statusaggression gegenüber seinen Haltern ausgebildet hatte. Status aggressiv heisst, dass der Hund in der Beziehung zu seinem Menschen, also seiner Bezugsperson, seine Stelle innerhalb des sozialen Gefüges im Zusammenleben mit seinen Haltern in Frage stellt. So werden zum Beispiel als selbstverständlich angenommene körperliche Interaktionen wie ein Berühren am Kopf des Hundes, z.B. beim Streicheln, von diesem, mit einem Knurren oder direkten Wegschnappen quittiert . Oder aber auch bewusst Liegeflächen (Sofa, Bett, Teppichläufer) oder Ressourcen (Spielsachen, Wassernapf etc.) vom Hund eingesetzt um sich dort gegen den Halter durch zu setzten und den eigenen Rang darzustellen.

 

Oaky ist, unschwer zu erkennen, dass nahezu perfekte Abbild eines Deutschen Schäferhundes. Im Sturme treu und stabil wie eine deutsche Eiche. Leider gibt dies in Oakys Fall nur die Fassade her..Oaky ist tief in seinem Herzen ein Rebell und als Schäferhund ein echter „Verreckling“ der saftig in seinen Halter reingebissen hat, als dieser ihn von sich wegschieben wollte. Das Einzige was er Schäferhund typisch hat, ist eine HD mittleren Grades und eine angefangene Schutzhundausbildung. Und jetzt nicht falsch verstehen liebe Schäfi-Fans, ich mag diese Kerle wirklich, aber ich kenne die gebrauchten Schäferhunde aus dem Tierschutz nur als “dumm, stark, wasser- dicht, ohne Befehl sehen sie den Sinn des Lebens nicht“ und dann kommt Oaky daher. Selbstsicher, selbstständig, in der Lage seine Probleme selbst zu lösen und alles in allem eher ein besonnener Molossertyp in „deutscher Felluniform“.

 

Oaky ist nicht anhänglich und wenn er es wird, muss man eben seinen Statusmotivierten Umgang im Kopf haben, hat seinen sogenannten “Will to please“ beim Enten jagen ertränkt und den Kadavergehorsam im Wald beim Burgen bauen verscharrt. Er ist der Antichrist der Schäferhundwelt. Ruhig, souverän und wenn es reicht dann aber mit Donnerschlag“ right in your face“. Können Sie sich vorstellen wie schwer es ist diesen absoluten Star in der Nudelsuppe an den Mann zu bringen ohne, dass seine Vermittlung in einem Krimi endet? Er ist ein wirklich schöner und imposanter Hund, der seine Rassebeschreibung mit loyal und treu ergeben, einfach nicht gelesen hat.

In der Hundetrainerwelt fällt er in die Kategorie Statusaggression. Allerdings nicht mit typischen Sachen. Er stellt kein Sofa in Frage, er pöbelt nicht beim Essen oder an der Leine. Er wirft Leute nicht die Treppe runter, er markiert nicht und prollt auch nicht, wenn man ihn anfasst. Er ist wachsam aber nicht unhöflich, er ist anschmiegsam und dennoch abgegrenzt. ABER er beobachtet, er provoziert Situationen und lernt wie Mensch reagiert. Und eines Tages stellt er uns plötzlich in Frage, im Flur beim Schuhe binden, auf Augenhöhe hockend, blicken wir in einen grinsenden Fang der einen einfach dort verweilen lässt, weil man weiss, dass außer atmen nur zu Staub zerfallen eine gute Möglichkeit ist. Optische Täuschung sucht jemanden mit Durchblick SOS!

 

Wie haben wir bisher mit Okay gearbeitet? Für Okay waren zu Beginn „Grenzen“ ein großes Thema. Wenn ich ihn körpersprachlich aus meinem Radius schickte lehnte er sich dagegen, sodass wir uns oft gegenüber, standen und ausharrten, bis er sich dann eben doch entschloss zu gehen. Mit Druck und Hektik, also etwa einem Leinenruck und Gezergel an der Leine treibt man ihn in seiner Reizlage eher hoch, was mit einer rückgerichteten Aggression gegen den Hundeführer enden kann. Oaky muss nicht zur Kooperation über „Sitz“ und „Platz“ bewegt werden, sondern zur Akzeptanz. Befehle abfragen und ausführen kennt er und die „Show“ kann er. Viel mehr ist wichtig, dass er wenn man seinen Raum oder seinen Zwinger betritt zurück geht, wenn man es ihm signalisiert und auch gleichermaßen gemäßigt auf einen zukommt, wenn man ihm das Angebot macht.

Es geht bei Befehlen auch nicht darum, dass er ein „Platz“ auf die Sekunde genau ausführt, sondern dass er liegen bleibt und sich entspannt, bis man ihn dort wieder abholt. Auch ist es wichtig soziale Interaktion zu üben. Ihn mal anzurempeln und danach witzig mit ihm zu sein. Ihm blöde den Kopf zu tätscheln und danach ein Angebot zu machen mit zu kommen. Oaky will immer gerne wissen, an welcher Stelle er steht. Und solang man ihn nicht respektlos behandelt, wird er ein cooler Begleiter sein.

 

Von der alten Schule mit Unterwerfung und Unterordnung hält er nichts und das macht er durch plötzliches Konkurrieren und Boykottieren klar. In einer solch angespannten Situation ist es wahrscheinlich, dass er zu beissen würde. Gleiches gilt auch für Menschen, die sich ihm vorsichtig, beschwichtigend/ängstlich nähern, dann aber zum Beispiel Maulkorb und Leine anlegen wollen. Wir haben Okay nun seit 2 Jahren bei uns. Ich habe ihn damals ungesichert in einem Pick Up direkt hinter meinem Kopf sitzend mitgenommen. Ich habe die Fahrt über direkten Blickkontakt vermieden und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass es nun ein Problem geben könnte. Oaky hat mich und auch die Mitarbeiter nie angegriffen. Alle Hellhounds aus der Crew können ihn abrufen und ihm einen Maulkorb anziehen, ihm Zecken entfernen und seine Füße abtrocknen. Er apportiet für sein Leben gern. Auch wenn man ihm, wegen seinem Gepöbel am Zaun mal eine Gießkanne nachwirft, bringt er diese artig zurück, ohne verstanden zu haben, dass diese ihm galt.

Oaky darf nicht zu Schäferhund erfahrenen Leuten, da diese sein Verhalten ggf. falsch oder als bekannt interpretieren und dann Gefahr laufen seinen Status zu bedienen oder in einen Konflikt zu geraten ohne wirklich zu verstehen was grade geschieht. Okay ist im höchsten Maße sozialverträglich egal ob Rüde oder Hündin und wäre in einem zu Hause mit einer starken und ihm in der sozialen Struktur überlegenen Hündin sicher sehr gut und relativ unauffällig unterwegs, da die Hündin als Brücke zwischen seinem Drang nach der Weltherrschaft und seinen Menschen stehen könnte. Auch glauben wir, dass die alleinige Aufmerksamkeit von Menschen, statusmotivierten Hunden nicht gut tut, da man hier sehr viel Konzentration und Beobachtung in den Umgang legen müsste. Während andere Hunde diese Ambitionen unterbrechen wenn nicht sogar ganz aufheben könnten.

 

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