Maya

Rasse Alabai
Geburtsdatum 06.11.2017
Geschlecht weiblich
Farbe weiß

Maya ist eine am 06.11.2017 geborene Alabai Hündin, welche aus Rumänien mit ihren Besitzern nach Deutschland kam. Beide Besitzer waren in Schicht und Montagearbeit beschäftigt und so kam es, dass Maya im Junghundealter oft über einen langen Zeitraum alleine in der Wohnung zurückgelassen wurde. Dann wiederrum lief es arbeitstechnisch für die Besitzer nicht so gut und sie waren viel daheim, wobei einer leider im Frust öfters mal zur Flasche griff und sich dann an der Hündin ausließ. Zu den unzähligen Narben in Gesicht und am Körper gibt es verschiedene Erklärungen. Maya soll von der Mutterhündin als Welpe angegriffen worden sein, im Versuch sie zu töten. Andere Aussagen wollen gesehen haben, wie der ehemalige Besitzer auf sie eingeprügelt habe. Sei es wie es will unser Mädel ist, geprägt durch ihre Vergangenheit ein spezieller Fall.

 

Zudem ist sie auch körperlich ziemlich mitgenommen. 2020 hatte sie eine sehr stark ausgeprägte Kaumuskelmyositis ( in deren Verlauf baut die komplette Kiefermuskulatur ab und der Hund geriet in eine sogenannte Kiefersperre. Dies hat zur Folge, dass der Hund den Kiefer nicht mehr öffnen kann und ohne Hilfe und hochdosierte Gabe von Cortison verhungert oder verdurstet.) Wir konnten Maya mit viel Aufwand retten und können zum Glück auch sagen, dass sich ihre Muskulatur erholt hat und sie sich vollständig erholt hat. Leider begann ihr Jahr 2020 ebenfalls mit einem gebrochenen Wirbel in der Rute, sodass diese amputiert werden musste.

Beide Vorfälle haben ein klares Bild abgezeichnet, dass Mayas Leben nicht nur davon abhängt, dass man sie genau kennt und Veränderungen bemerkt, sondern auch ob sie einen respektiert und anerkennt. Tut sie dies nämlich nicht, ist eine Behandlung ohne Narkose nicht möglich. Und genau diese ist für einen gesundheitlich derart auffälligen Hund jedes Mal ein sehr hohes Risiko.

 

Maya war bereits einmal in einem befreundeten Tierheim, wo der Verlauf allerdings der war, dass sie sich nach wenigen Monaten nur noch von einer Person händeln ließ und dann aber auch nur so wie es ihr passte. Als Maya zu uns zurückgebracht wurde ging sie sogar uns an und verhielt sich sehr offensiv. Es dauerte 2 bis 3 Tage, bis ein „Anfassen“ und „Anleinen“ wieder möglich und ohne eine Absicherung, durch den Maulkorb stattfinden konnte . Was war passiert? Hunde wie Maya, die von klein auf Menschen als sehr ambivalent und unsicher kennen gelernt haben, die sozial verwahrlost sind und nicht entsprechend auf Umweltreize und das Verhalten von Menschen vorbereitet werden leben davon sich eigene Strategien und Umgangsformen entsprechend ihrer Genetik und eher hierarchisch geprägten Sozialstruktur, selbst zu entwerfen.

Bei Maya spricht man hier zum einen von einer überwiegend defensiven und in ungewohnten Situationen eher unsicheren Haltung, die bedingt durch ihren Herdenschutzhundschlag aber sehr schnell in eine offensives Droh und Wehrverhalten gehen kann. Sie hat auf Grund ihrer negativen und zum Teil wohl auch sehr brutalen Erfahrungen mit Menschen nicht die Souveränität eines Herdenschutzhundes entwickelt, zeigt aber in Situationen in denen sie die Niederlage eines Menschen oder Hundes absehen kann ein sehr imposantes Bild. Mayas Aggression spiegelt im Grunde die Ambivalenz ihrer ehemaligen Halter und könnte ganz grob in Richtung einer Statusaggression mit viel defensiver Motivation eingeordnet werden. Das heisst, sie versucht ihr Umfeld zu kontrollieren um Sicherheit zu haben. Dabei provoziert sie zum Teil auch Situationen, wo sie sich z.B. auf eine Aufforderung hin „ran zu kommen“ , entzieht und z.B. unter einen Tisch oder in ihr Körbchen im Tierheimzwinger zurück zieht. Der Mensch, lässt sich hier nicht selten zu dem Gedanken verleiten, dass sie nun Angst hat und wird versuchen auf sie einzureden und beruhigend auf sie einzuwirken. Genau dies ist die Schnittstelle, wo Maya Mitleid als Beschwichtigung fehlinterpretieren wird und direkt attackieren wird.

Auch „provoziert“ sie den Menschen durch Kontaktaufnahme und „anspielen“ dazu sie streicheln zu wollen und stellt diesen dann durch Zähnefletschen oder abschnappen. Unnötig zu erwähnen, dass man in dieser „Beziehung“ weder einen Maulkorb noch eine Leine an sie ran bekommt. Zudem hat sie eine ausgeprägte Ressourcenverteidigung, sie verhält sich zum Teil territorial und ist Sichtjägerin.

 

Wie wird also mit Maya gearbeitet ? Für Maya ist ein Mensch wichtig, welcher klar und deutlich kommuniziert . Das heisst es braucht jemanden der versteht, wann er Maya „links liegen lässt“, nämlich zum Beispiel dann, wenn sie etwas entfernt ihren Knochen hat, einen bemerkt und angetrottet kommt. Maya will in solchen Momenten nicht angefasst werden, sondern bedrängt einen freundlich, aber bestimmt, ihren Radius (und der ist bei HSH ziemlich weit gesteckt) zu verlassen. Auch muss die Person in der Lage sein sie körpersprachlich weg zu drohen, vorallem dann, wenn sie wieder mal durch Bedrängung und anspielen zum Anfassen provoziert. Hatte man eine derartige „Außeinandersetzung“ mit ihr über den eigenen Radius und sie bekommt ein Angebot, sich nun in anderer Manier wieder nähern zu dürfen, kann man davon ausgehen, dass sie friedlich rankommt und die Zuneigung dann auch annimmt. Woher wir das wissen? Genauso arbeiten hier alle mit ihr und JEDER ist in der Lage sie zum Arzt zu fahren und zu händeln.

 

Bei Neuankömmlingen zeichnet sich in ihrem Verhalten aber eben das immer wieder kehrende Bild und der Versuch, ob sie nicht doch jemanden einschüchtern und nach ihren Regeln erziehen kann. Maya braucht Stabilität und Qualität in ihrer Beziehung zum Menschen. Konflikte werden nicht einfach stehen gelassen, sondern angegangen, ausdiskutiert und Alternativverhalten erarbeitet.

 

Warum ist von einer Arbeit über Lob und Leckerli abzuraten? Maya baut einen enormen Frustpegel auf, wenn sie mit Futter konfrontiert wird, welches sie aber erstmal nicht erreichen kann. Sie fixiert sich darauf und ist in solchen Momenten in einem dermaßen heftigen Stress gefangen, dass sie nicht lernen kann. Auch hier gibt es zwei Unterschiede. Obwohl Maya jeden Tag eine einzelne Portion im Napf bekommt und dann auch nochmal zum gemeinsamen Fressen mit ihrem Doggenkumpel Lipton rausgelassen wird, lässt sie den Napf gefüllt stehen und geht lieber raus um sich mit Lipton anzubrummeln und Kommentkämpfe zu inszenieren.

 

Bei neuen Mitarbeitern hängt sie sich auch gerne mal einen Tag lang fletschend über ihren vollen Napf und imponiert was das Zeug hält. Sie hat also keine Angst das sie verhungert, sondern „nutzt“ die Futtersituation um ihre Rolle zu definieren und sich selbst darzustellen. Betritt eine Bezugsperson den Raum, stopft sie sich alles in die Kiemen und verschwindet. Hat man allerdings Futter in der Tasche, mit ihr bisher aber nichts geklärt wird sie angreifen und einen übergehen und ausrauben. Für sie ist das Einbeziehen von Futter eine direkte und persönliche Aufforderung zum Streit, der sie auch umgehend nachkommt. Hat man im Vorfeld schon Dinge wie persönliche Distanz, Wegschicken und Angebot auf Nähe etc. diskutiert folgt sie auch so sehr gerne und arbeitet mit ohne dass man sie durch Belohnungen „kaufen“ müsste.

 

Maya kam ihrer Zeit in einem Tierheimzwinger einigermaßen gut zurecht und es wäre eine ans Haus angegliederte Haltung zu empfehlen, da ihr enge Räume einfach zu schaffen machen. Eine reine Außenhaltung sehen wir bei ihrem körperlichen Zustand sehr kritisch. Sie ist mit Artgenossen verträglich, bevorzugt aber natürlich Rüden. Sie ist nicht kastriert unterdrückt ihre Läufigkeit aber sehr oft Stressbedingt. Maya kann nicht als Der Vertreter ihrer Rasse angesehen werden. Sie ist sehr individuell und eher auf den Konflikt mit dem Menschen aus, bis sie sich bei ihm sicher fühlt.

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